Samstag, 6. Juni 2009
Grand Prix de Eurovision– ein Abriss
Wenn der Lenz sich dem Ende neigt versammeln sich die angesehensten Barden Europas um im musischen Wettstreit ihr Können einander zu messen.
Dies Rittertunier aus Gesang und Tanz beobachten darf einjeder und nach der letzten Darbietung seine Gunst einem der Barden zukommen lassen (die Gunst der Jungfern hat in diesem Falle das gleiche Gewicht wie die des restlichen Pöbels). Als Sieger geht jener Barde hervor, der die meiste Gunst des Pöbels erhält und bringt damit Ruhm und Ansehen mit heim in sein Land. Die Barden, den man hat die geringste Gunst zuteil hat werden lassen, müssen in Schmach und Schande heim kehren. Zum Troste sei ihnen gesagt, dass sie nur ihrer Heimatregion Schande bringen werden, aber nicht das Ansehen ihres geliebten und geehrten Königs beflecken. So droht ihnen Maximal eine lokale Erhöhung der Kopfgeldsteuer, aber ihr Kopf bleibt auf ihren Schultern.

Nun scheint es schon fast einen Fluch zu gleichen, dass der letzten Lenze das germanische Königreich nur Barden hervor gebracht hat, die ihrem Heimatdorf – nach Rückkehr vom Wettstreit – nur höhere Steuern heim brachten, aber weder Ruhm noch Ehre.
Grade da sich unser hochgeschätzter Adel immer wieder darauf beruft, wie viele Dichter und Denker hier verweilten. Doch so federführend unsere Ahnen zu sein schienen, versuchen unsere heutigen Barden mehr den je das Schwert der Poesie zu schwingen. Mit Verlaub gestatte mir der geneigte Leser die Anmerkung, dass das besagte Schwert keinem grazielen Florett gleicht. Viel mehr erinnert er an einen stumpfen, schweren Zweihänder, der von einem Barbarenkrieger geführt wird.
Und so wie die Sprichwörtliche Feder stärker als das Schwert ist, verhält es sich auch mit Minnesang und Bardenliedern. Anstelle die Barbaren der anderen Länder mit entblößer Haut der Frauenzimmer beeindrucken zu wollen, sollten unsere künftigen Poeten eleganter die Feder bei ihrem Gesangsgut schwingen.

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